Warum Twitter?

Die ganze Welt in 140 Zeichen – oder zumindest das, was für die Schreiber auf Twitter die Welt ist. Und das kann so ziemlich alles und nichts sein. Weshalb also Twitter?
Das habe ich mich bis vor ungefähr einem Jahr auch gefragt. Freilich hatte ich schon vorher einen Twitter-Account, weil ich meinte, dort sein zu müssen. Genutzt habe ich Twitter aber wenig bis gar nicht. Denn: es ist nicht einfach, seine Botschaft in 140 Zeichen – inklusive Leerzeichen – zu verpacken, so dass die noch eiSolomon Northup konnte fliehen und seine ErinnerungenSolomon Northup konnte fliehen und seine Erinnerungennen Sinn ergibt. Außerdem gibt es ja noch Facebook und Google+ und wenn man eben nicht nur einen Account auf den diversen Plattformen anlegen, sondern ihn auch noch nutzen will, kann das ziemlich viel Zeit verschlingen.

Twitter hat keine Zeit

Zeit ist aber genau das, was Twitter nicht zu haben scheint. Je nachdem, wie vielen anderen Nutzern man folgt, wird die eigene Timeline schon mal ziemlich hektisch, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass Tweets schnell geteilt – retweetet – werden können. Doch genau das ist es, was Twitter zu einem idealen Ort macht, um schnell Informationen zu bekommen. Wenn die von Menschen geschrieben und nicht automatisch generiert werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man nicht nur einen Linkverweis, sondern tatsächlich eine Nachricht bekommt, mit der man sofort etwas anfangen kann. Weil mir genau das wichtig ist, finde ich Posts nervig, die nur einen Link enthalten oder den Link mit kryptischen, weil abgeschnittenen Erklärungen versehen. Wenn ich den Twitterer nicht persönlich kenne oder seine sonstigen Posts schätze, klicke ich gar nicht erst auf den Link – schon gar nicht, wenn ich mobil unterwegs bin.

Seit ich tiefer in die Welt der BBC-Serie Sherlock und deren Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Martin Freeman eindringe (was die, die mir folgen aus leidvoller Erfahrung wissen), stelle ich fest, dass man sich über Twitter auch unterhalten kann. Das finde ich zwar etwas umständlich und zuweilen verwirrend, vor allem, wenn man es mit Facebook oder Google+ vergleicht. Hat man aber erst mal verstanden, dass sich auch Fremde in die Unterhaltung einschalten können, wird die nicht nur schneller, sondern entfaltet auch die viel zitierte Schwarmintelligenz und steigert so die Wahrscheinlichkeit, auf eine Frage die richtige Antwort zu bekommen.

Denn trotz aller Hektik – meist trifft man auf freundliche Twitterer, die selbst mein Englisch nicht krumm nehmen und mit denen man sich über eine ganze Reihe an Dingen unterhalten kann. Auch jenseits des Fanwissens.

Auch Amazon macht Musik

Ich muss zugeben, Amazons Cloud Player ist mir entgangen. Nicht, dass ich nicht über die Jahre CDs bei Amazon gekauft oder MP3s heruntergeladen hätte. Obwohl das – wie so manch anderes  – für Nicht-Windows und Nicht-Mac-Nutzer mit mehr als einem Mausklick verbunden ist. Dann aber kam Google Play Music mit der Möglichkeit, Lieder hochzuladen und von überallher zu streamen, was ich nach anfänglicher Skepsis mittlerweile als sehr praktisch empfinde, nicht zuletzt auch wegen der Integration in die übrige Google-Welt (allen Datenschutzbedenken zum Trotz).

Verwechlsungsgefahr

Weshalb also Amazon Cloud? Und weshalb lädt Amazon die von mir gekaufte CD ungefragt hoch (wenn die CD mit dem entsprechenden Auto-Rip-Symbol gekennzeichnet ist)? Während man sich über letzteres unendlich aufregen und das auch noch in diversen Kommentaren schriftlich niederlegen kann, halten es andere für einen netten Service, der einem das mitunter lästige Selber-Hochladen abnimmt.
Auf den ersten Blick ist die Cloud für mich verwirrend. Das liegt nicht daran, dass ich mich erst an die Oberfläche gewöhnen müsste. Die kenne ich vom „normalen“ Amazon-Laden. Es ist genau diese Oberfläche, die mir nicht eindeutig zeigt, ob ich tatsächlich in meiner Musiknische  unterwegs bin oder nicht. Ich ertappe mich dabei, sicherheitshalber nach oben zu schauen, um mich zu vergewissern, dass ich tatsächlich in „meiner Musik“ unterwegs bin. Die Amazon-üblichen „Kunden-die-dieses-Album-gekauft-haben-haben-auch-die-folgenden-Alben gekauft“-Anzeigen tun ihr Übriges und machen die Seite schlicht unübersichtlich. Gut möglich, dass sich diese Verwirrtheit legt, wenn man sich näher damit beschäftigt. Doch sollte man das?

Eigenes Ökosystem

Wie andere Cloud Speicher auch, setzt Amazon auf sein Ökosystem. Wer Musik hauptsächlich hier kauft, muss sich nicht erst an einen anderen Dienst gewöhnen, um sie virtuell immer verfügbar zu haben. Das gilt auch für Lieder, die man schon hat und hochladen möchte. Hier greift allerdings eine Sperre, denn während es für bei Amazon gekaufte Musik keine Beschränkungen gibt, kann man lediglich 250 fremde Lieder importieren. Wer mehr möchte, muss zahlen: 250.000 Stücke kosten pro Jahr 24,99 Euro. Google spendiert Platz für 20.000 – die dort gekauften werden auch hier nicht auf das Kontingent angerechnet. Um die Musik mobil zu hören, brauchen beide Dienste die jeweilige App – Googles Music Player oder die Amazon MP3-App, beide sind schnell installiert und machen, was sie sollen. Während die Amazon-App auf ein eigenes Aussehen mit einer zwar schicken schwarzen Oberfläche, aber mit schwer lesbarer weißer Schrift auf schwarzem Grund setzt, macht die Google-App aus ihrer Herkunft kein Geheimnis. Sie ist natürlich an kleinere Bildschirme angepasst, schaut aber ansonsten so aus wie die Desktop-Version.

Herunterladen

Der beste Clouddienst nützt  wenig, wenn die Internetverbindung schlecht ist oder man einfach Rücksicht auf die Flat nehmen möchte. Daher kann man bei beiden Diensten die gewünschten Stücke herunterladen. Google braucht dazu den eigenen Musikmanager, der auch für Linux funktioniert und sich nach der Installation als praktisches Helferchen entpuppt. Man damit komplette Alben hoch- oder herunterladen, die dann als zip-Datei auf dem Rechner landen. Bei Amazon hingegen müssen Linuxer jedes Stück einzeln herunterladen, weil der Cloudplayer nur Windows- und Mac-Rechner unterstützt – umständlich, weil ich den Rechner nicht mal eben sich selbst überlassen kann. Dass das Herunterladen relativ flink geht, ist nur ein schwacher Trost. Immerhin kann man innerhalb der App Lieder auf das Smartphone herunterladen.

Mein Fazit:

Als Gewohnheitstier, das ohnehin schon bei Google unterwegs ist (was ja auch dieser Blog beweist), werde ich Amazons Cloud Speicher wohl nicht nutzen. Es ist mir einfach zu umständlich, einen Teil der Musik hier, einen Teil woanders zu haben. Und natürlich ist es praktischer, Musik bei Google zu kaufen und sie sofort in der Cloud und auf den jeweiligen Geräten zu haben, ohne sie erst synchronisieren zu müssen. Dass man Empfehlungen der eigenen Kreislingen auf G+ anhören kann, ist ein netter Nebeneffekt, der hoffentlich bald mit MusicAllAccess noch verstärkt wird.
Wer allerdings noch keine Musik in der Cloud hat und außerdem einen Musikplayer fürs Smartphone sucht, sollte Amazon eine Chance geben.

So sieht die Amazon-Cloud aus…

… und so Google Music Play.

Das Auto-Rip-Symbol zeigt, ob die CD in die Cloud hochgeladen wird. Screenshots:pb