Auch Amazon macht Musik

Ich muss zugeben, Amazons Cloud Player ist mir entgangen. Nicht, dass ich nicht über die Jahre CDs bei Amazon gekauft oder MP3s heruntergeladen hätte. Obwohl das – wie so manch anderes  – für Nicht-Windows und Nicht-Mac-Nutzer mit mehr als einem Mausklick verbunden ist. Dann aber kam Google Play Music mit der Möglichkeit, Lieder hochzuladen und von überallher zu streamen, was ich nach anfänglicher Skepsis mittlerweile als sehr praktisch empfinde, nicht zuletzt auch wegen der Integration in die übrige Google-Welt (allen Datenschutzbedenken zum Trotz).

Verwechlsungsgefahr

Weshalb also Amazon Cloud? Und weshalb lädt Amazon die von mir gekaufte CD ungefragt hoch (wenn die CD mit dem entsprechenden Auto-Rip-Symbol gekennzeichnet ist)? Während man sich über letzteres unendlich aufregen und das auch noch in diversen Kommentaren schriftlich niederlegen kann, halten es andere für einen netten Service, der einem das mitunter lästige Selber-Hochladen abnimmt.
Auf den ersten Blick ist die Cloud für mich verwirrend. Das liegt nicht daran, dass ich mich erst an die Oberfläche gewöhnen müsste. Die kenne ich vom „normalen“ Amazon-Laden. Es ist genau diese Oberfläche, die mir nicht eindeutig zeigt, ob ich tatsächlich in meiner Musiknische  unterwegs bin oder nicht. Ich ertappe mich dabei, sicherheitshalber nach oben zu schauen, um mich zu vergewissern, dass ich tatsächlich in „meiner Musik“ unterwegs bin. Die Amazon-üblichen „Kunden-die-dieses-Album-gekauft-haben-haben-auch-die-folgenden-Alben gekauft“-Anzeigen tun ihr Übriges und machen die Seite schlicht unübersichtlich. Gut möglich, dass sich diese Verwirrtheit legt, wenn man sich näher damit beschäftigt. Doch sollte man das?

Eigenes Ökosystem

Wie andere Cloud Speicher auch, setzt Amazon auf sein Ökosystem. Wer Musik hauptsächlich hier kauft, muss sich nicht erst an einen anderen Dienst gewöhnen, um sie virtuell immer verfügbar zu haben. Das gilt auch für Lieder, die man schon hat und hochladen möchte. Hier greift allerdings eine Sperre, denn während es für bei Amazon gekaufte Musik keine Beschränkungen gibt, kann man lediglich 250 fremde Lieder importieren. Wer mehr möchte, muss zahlen: 250.000 Stücke kosten pro Jahr 24,99 Euro. Google spendiert Platz für 20.000 – die dort gekauften werden auch hier nicht auf das Kontingent angerechnet. Um die Musik mobil zu hören, brauchen beide Dienste die jeweilige App – Googles Music Player oder die Amazon MP3-App, beide sind schnell installiert und machen, was sie sollen. Während die Amazon-App auf ein eigenes Aussehen mit einer zwar schicken schwarzen Oberfläche, aber mit schwer lesbarer weißer Schrift auf schwarzem Grund setzt, macht die Google-App aus ihrer Herkunft kein Geheimnis. Sie ist natürlich an kleinere Bildschirme angepasst, schaut aber ansonsten so aus wie die Desktop-Version.

Herunterladen

Der beste Clouddienst nützt  wenig, wenn die Internetverbindung schlecht ist oder man einfach Rücksicht auf die Flat nehmen möchte. Daher kann man bei beiden Diensten die gewünschten Stücke herunterladen. Google braucht dazu den eigenen Musikmanager, der auch für Linux funktioniert und sich nach der Installation als praktisches Helferchen entpuppt. Man damit komplette Alben hoch- oder herunterladen, die dann als zip-Datei auf dem Rechner landen. Bei Amazon hingegen müssen Linuxer jedes Stück einzeln herunterladen, weil der Cloudplayer nur Windows- und Mac-Rechner unterstützt – umständlich, weil ich den Rechner nicht mal eben sich selbst überlassen kann. Dass das Herunterladen relativ flink geht, ist nur ein schwacher Trost. Immerhin kann man innerhalb der App Lieder auf das Smartphone herunterladen.

Mein Fazit:

Als Gewohnheitstier, das ohnehin schon bei Google unterwegs ist (was ja auch dieser Blog beweist), werde ich Amazons Cloud Speicher wohl nicht nutzen. Es ist mir einfach zu umständlich, einen Teil der Musik hier, einen Teil woanders zu haben. Und natürlich ist es praktischer, Musik bei Google zu kaufen und sie sofort in der Cloud und auf den jeweiligen Geräten zu haben, ohne sie erst synchronisieren zu müssen. Dass man Empfehlungen der eigenen Kreislingen auf G+ anhören kann, ist ein netter Nebeneffekt, der hoffentlich bald mit MusicAllAccess noch verstärkt wird.
Wer allerdings noch keine Musik in der Cloud hat und außerdem einen Musikplayer fürs Smartphone sucht, sollte Amazon eine Chance geben.

So sieht die Amazon-Cloud aus…

… und so Google Music Play.

Das Auto-Rip-Symbol zeigt, ob die CD in die Cloud hochgeladen wird. Screenshots:pb

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