John Williams: Butcher’s Crossing

Es gibt Bücher, auf die man sich einlassen muss, die Zeit brauchen. „Butcher’s Crossing“ ist so ein Buch, denn es beginnt mit einer eher banalen Begebenheit. Mit einer Kutsche. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Buch nach den ersten Zeilen erst einmal weggelegt und einige Zeit nicht beachtet habe.

Der zweite Versuch war erfolgreicher. Denn die Geschichte von Will Andrews, der um 1870 beschließt, sein bisheriges Leben, das ihm eine glänzende Karriere verspricht, hinter sich zu lassen, ist spannend und seltsam modern. Er will raus aus der Zivilisation, will die Natur und den Wilden Westen entdecken und hofft so, seine Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer zu stillen. Per Kutsche macht er sich vom Osten Amerikas auf in Richtung Westen und landet in Butcher’s Crossing, einem Kaff im Nirgendwo, das für Fallensteller und Trapper der Ausgangsort ist für ihre weitere Reise. Andrews investiert sein Erspartes und schafft es, mit einer Gruppe von Männern loszuziehen. Ziel ist ein abgelegener Ort, an dem es noch große Büffelherden geben soll – perfekt, um möglichst viele Häute zu erbeuten und Geld zu verdienen.

„Butcher’s Crossing“, das jetzt in deutscher Erstausgabe vorliegt, ist kein reißerisches Buch, das auf billige Effekte setzt. John Williams beweist hier wie schon mit „Stoner“, dass er ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist. Er schafft mit leisen Tönen faszinierende Welten, die den Leser fesseln und an die man sich am Ende des Buches noch lange erinnern wird.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung!

 

Foto: Petra Breunig

Das Buchcover von „Butcher’s Crossing. Foto: Petra Breunig

John Williams Butcher’s Crossing, dtv, 21,90 Euro

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Schattenspringer – Wie von einem andern Stern

Ach! Das geht mir auch manchmal so, dass ich mich fühle als käme ich von einem fremden Planeten. Geben wir es zu: diese Reaktion hatte schon fast jeder einmal, wenn man gerade (Situation einsetzen) auf (Personen einsetzen) traf und sich letztlich auf nichts einigen konnte, weil man sich einfach aneinander vorbeigeredet hat.

Doch für Daniela Schreiter ist dieses Irgendwie-Fremd-Sein Alltag, denn sie hat Asperger-Syndrom und muss sich vieles erkämpfen, was für normale, gesunde Menschen mit keinem oder nur sehr geringem Aufwand verbunden ist. Wie sie ihr Leben meistert –  den Abschnitt von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter zeichnet sie im Comic „Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein“.

Und sie tut das umwerfend direkt, komisch, alles andere als rührselig und mit liebevoll gezeichneten Szenen, dass auch Leser, die sonst nicht zum Comic greifen, hier eine Ausnahme machen sollten. Es lohnt sich.

Screenshot: Petra Breunig

Eine Seite aus dem Comic „Schattenspringer“. Dieser Screenshot stammt aus der Kindle-Ausgabe. Screenshot: pb

Daniela Schreiter: Schattenspringer, Panini, 19,99 Euro, E-Book 15,99 Euro