Sherlock Holmes für Anfänger

Sherlock Holmes ist vielleicht die am meisten bekannte literarische Figur. Das ist auch im deutschsprachigen Raum so und selbst Menschen, die noch nie eine der Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle gelesen haben, wissen etwas mit dem Namen des genialen Detektivs anzufangen. Logisch also, dass es scheinbar ganze Bibliotheken voller Literatur über Sherlock Holmes gibt, wenn auch nicht immer auf Deutsch.

Dass Maria Fleischhack mit „Die Welt des Sherlock Holmes“ eine Ausnahme macht, ist daher löblich  – wenn man auch sagen muss, dass dieses Buch nur etwas für Anfänger ist. Die werden zwar einen guten Überblick über alle Geschichten des sogenannten Canons, die Figuren und ihre Adaptionen bekommen. Das ist aber leider auch schon alles. Denn das Buch wirkt als sei es schnell heruntergeschrieben, zu oft wiederholen sich Inhalte in aufeinanderfolgenden Passagen und einmal scheint es, als habe sich das Schreibprogramm geweigert, Wörter ordentlich durch Leerzeichen zu trennen.

Mögen das noch Flüchtigkeitsfehler sein, so sind aber diese Hinweise schlichtweg mangelnder Recherche geschuldet: Christopher Lee spielt nicht in der 16-teiligen BBC-Serie „Arthur Conan Doyle’s Sherlock Holmes“ aus den 1960er Jahren. Sherlock Holmes wird darin von Douglas Wilmer und von Peter Cushing verkörpert.

„Sherlock“ ist die erfolgreichste Serie der BBC, wie der Sender in seinem Jahresbericht selbst schreibt „and licensed to 224 territories“. Selbst wenn man „territories“ nicht mit „Ländern“ übersetzen mag, so führt die Seite Sherlockoloy.com in einer Übersicht deutlich mehr Länder auf, als die genannten 16, in denen laut Fleischhack „Sherlock“ ausgestrahlt wird. Oder sind da nur die Länder gemeint, in denen „Sherlock“ synchronisiert wird?

Die Behauptung, die vierte Sherlock-Staffel werde 2015 gedreht, mag dem Veröffentlichungsdatum des Buchs im März 2015 geschuldet sein, schließlich wurde in diesem Jahr „nur“ ein Sherlock-Special gedreht und vermutlich zu Weihnachten auf BBC One ausgestrahlt; eine Bestätigung steht aus. Die vierte Staffel jedenfalls wird im Frühjahr 2016 gedreht, wie Steven Moffat bestätigte. Dass die dann zumindest in Großbritannien im gleichen Jahr ausgestrahlt werden wird, ist bisher reine Spekulation.

Fazit: „Die Welt des Sherlock Holmes“ bietet eine erste Übersicht für Sherlock-Holmes-Neulinge. Wer tiefer einsteigen will, sollte es mit dem Buch zur Sherlock-Holmes-Ausstellung im Museum of London „Sherlock Holmes – The Man who never lived and will never die“ versuchen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Maria Fleischhack: Die Welt des Sherlock Holmes, Lambert Schneider, 24,95 Euro.

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Lukas Hartmann: Auf beiden Seiten

Wenn Bücher zwischen verschiedenen Handlungssträngen und Jahren hin- und herpendeln, kann das schiefgehen, wenn es der Autor nicht schafft, die Fäden so zusammenzuführen, dass der Leser spätestens am Ende die Sinnhaftigkeit erkennt. Und nicht schon nach den ersten Seiten verwirrt aufgibt und das Buch zur Seite legt.

LukasHartmannAufbeidenSeiten

Foto: Petra Breunig

 

 

In „Auf beiden Seiten“ verknüpft Lukas Hartmann die Jahre 2010, 1970 und die Zeit des Mauerfalls über das Leben des Schweizer Journalisten Mario miteinander und macht die Vergangenheit nicht nur wieder lebendig, sondern auch unmittelbar greifbar – anhand von Figuren, deren Schicksal dem Leser nicht gleichgültig ist, weil es meisterhaft erzählt wird.

Lukas Hartmann: Auf beiden Seiten, Diogenes, 21,99 Euro

Das Leben der Rebecca Jones

Es ist eine bäuerliche, kleine und überschaubare Welt, in die Rebecca Jones hineingeboren wird. Anfang des vergangenen Jahrhunderts scheint das Leben im Maesglasau-Tal in Wales so, wie es schon immer war, seit ihre Familie vor über tausend Jahres begonnen hat, hier Land zu bewirtschaften. Drei Brüder – William und Gruff werden blind geboren, Lewis erblindet als Kind – verlassen wegen ihrer Behinderung das Tal und erhalten wegen oder trotz ihrer Blindheit eine Ausbildung, werden Akademiker, ihre Reise fort aus Wales „führte von der walisischen Sprache und Kultur in eine andere Sprache und Kultur, sie führte fort aus Wales in ein anderes Land“, England nämlich. Rebecca und ihr Bruder Bob bleiben, weil den Eltern das Geld fehlt, im Dorf. Bob wird Bauer wider Willen, Rebecca Näherin, eine Tätigkeit, die sie befriedigt und die ihr eine gewisse Unabhängigkeit sichert.

RebeccaJones

Das Buchcover Foto: Petra Breunig

 

Angharad Price erschafft in „Das Leben der Rebecca Jones“ eine Welt, die es nicht mehr gibt. Ihre wunderbare Sprache macht diese Welt aber unvergesslich, genauso wie das Buch. Die vorliegende Ausgabe übersetzte Gregor Runge aus der englischen Fassung, die wiederum von Angharad Price selbst geschrieben wurde. Das einzige, was ich – außer dem Ende der Erzählung – bedauernswert finde, ist dass ich das walisische Original mangels Sprachkenntnis nicht lesen kann.

 

Angharad Price: Das Leben der Rebecca Jones, dtv, 15,99 Euro

John Williams: Butcher’s Crossing

Es gibt Bücher, auf die man sich einlassen muss, die Zeit brauchen. „Butcher’s Crossing“ ist so ein Buch, denn es beginnt mit einer eher banalen Begebenheit. Mit einer Kutsche. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Buch nach den ersten Zeilen erst einmal weggelegt und einige Zeit nicht beachtet habe.

Der zweite Versuch war erfolgreicher. Denn die Geschichte von Will Andrews, der um 1870 beschließt, sein bisheriges Leben, das ihm eine glänzende Karriere verspricht, hinter sich zu lassen, ist spannend und seltsam modern. Er will raus aus der Zivilisation, will die Natur und den Wilden Westen entdecken und hofft so, seine Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer zu stillen. Per Kutsche macht er sich vom Osten Amerikas auf in Richtung Westen und landet in Butcher’s Crossing, einem Kaff im Nirgendwo, das für Fallensteller und Trapper der Ausgangsort ist für ihre weitere Reise. Andrews investiert sein Erspartes und schafft es, mit einer Gruppe von Männern loszuziehen. Ziel ist ein abgelegener Ort, an dem es noch große Büffelherden geben soll – perfekt, um möglichst viele Häute zu erbeuten und Geld zu verdienen.

„Butcher’s Crossing“, das jetzt in deutscher Erstausgabe vorliegt, ist kein reißerisches Buch, das auf billige Effekte setzt. John Williams beweist hier wie schon mit „Stoner“, dass er ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist. Er schafft mit leisen Tönen faszinierende Welten, die den Leser fesseln und an die man sich am Ende des Buches noch lange erinnern wird.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung!

 

Foto: Petra Breunig

Das Buchcover von „Butcher’s Crossing. Foto: Petra Breunig

John Williams Butcher’s Crossing, dtv, 21,90 Euro

Schattenspringer – Wie von einem andern Stern

Ach! Das geht mir auch manchmal so, dass ich mich fühle als käme ich von einem fremden Planeten. Geben wir es zu: diese Reaktion hatte schon fast jeder einmal, wenn man gerade (Situation einsetzen) auf (Personen einsetzen) traf und sich letztlich auf nichts einigen konnte, weil man sich einfach aneinander vorbeigeredet hat.

Doch für Daniela Schreiter ist dieses Irgendwie-Fremd-Sein Alltag, denn sie hat Asperger-Syndrom und muss sich vieles erkämpfen, was für normale, gesunde Menschen mit keinem oder nur sehr geringem Aufwand verbunden ist. Wie sie ihr Leben meistert –  den Abschnitt von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter zeichnet sie im Comic „Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein“.

Und sie tut das umwerfend direkt, komisch, alles andere als rührselig und mit liebevoll gezeichneten Szenen, dass auch Leser, die sonst nicht zum Comic greifen, hier eine Ausnahme machen sollten. Es lohnt sich.

Screenshot: Petra Breunig

Eine Seite aus dem Comic „Schattenspringer“. Dieser Screenshot stammt aus der Kindle-Ausgabe. Screenshot: pb

Daniela Schreiter: Schattenspringer, Panini, 19,99 Euro, E-Book 15,99 Euro

Buchtipp: Eine Kamera und ein schlaues Mädchen

Geburtstage sind aufregend. Jedenfalls dann, wenn man ein Mädchen ist, Hannah Halblicht heißt, zehnten Geburtstag hat – und auf dem Frühstückstisch ein seltsames Päckchen vorfindet. „Die eine Seite funkelt wie ein Regenbogen und die andere Hälfte der Verpackung ist rabenschwarz“, staunt Hannah und auch ihr Freund Leo ist ratlos.

Die Titelseite von Hanna Halblicht. Screenshot: pb

Die Titelseite von Hanna Halblicht. Screenshot: pb

Aber das ist noch nicht alles. Denn die Kamera, die mit dem geheimnisvollen Geschenkpapier verpackt ist, ist alles andere als eine einfache Kamera (wenn man das von digitalen Kameras überhaupt sagen kann). Zwar hat sie alles, was eine „normale“ Kamera auch hat, inklusive verschieden farbiger Knöpfe. Aber wenn man etwas fotografiert, verändert sich das, was man gerade fotografiert hat. Es scheint so, als könne die Kamera Wünsche erfüllen  – oder tut sie noch viel mehr?

„Hanna Halblicht“ ist ein wunderschönes Märchen für Kinder, aber auch für Erwachsene. Es steckt voller Fantasie, voller Gefühle (ohne kitschig zu werden) und voller Überraschungen.

Das E-Book ist für erhältlich bei Amazon, Apple, Google, Thalia,  als pdf, Neobooks

Mehr zum Buch und zum Autor gibt es hier.

Eine liebevolle Hommage an Sherlock Holmes

Der Sherlock Holmes, den Sir Arthur Conan Doyle erfunden hat, ist ein Mann im besten Alter und im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten. Was der wohl berühmteste Detektiv der Literaturgeschichte gemacht hat, bevor er in die Adresse 221 B Baker Street eingezogen ist, das entzieht sich dem Wissen der Leser – auch wenn es Andeutungen und einige Bücher darüber geben mag, so lässt Doyle Sherlock-Holmes-Fans im Unklaren. Das Gleiche gilt für das Leben im Ruhestand, von dem wir eigentlich nur wissen, dass Holmes sich zurückgezogen hat und Bienen züchtet.

Im Mitch Cullins „A Slight Trick of the Mind“ (auf Deutsch etwa: „Eine leichte Sinnestäuschung“) begegnet der Leser einem 93-jährigen Sherlock Holmes, der ein ruhiges, zurückgezogenes Leben auf einem Bauernhof in Sussex führt und an dem nur seine Haushälterin und deren Sohn teilhaben. Um es gleich zu schreiben: was für jeden Fan und natürlich auch für den Sherlock Holmes des Originals und seinen Erfinder eine Beleidigung hätte werden können, ist eine wunderbare Liebeserklärung an den großen Detektiv. Cullin schreibt einen Roman voller Respekt, voller Liebe zum Detail, der zu Herzen geht, gelegentlich zu Tränen rührt und eines der besten Stück Unterhaltungsliteratur ist, die es momentan gibt (leider nicht auf Deutsch). Sein Sherlock Holmes weiß um seinen gebrechlichen Körper, den er nur noch mit Hilfe von Krücken bewegen kann, er weiß, dass er sich nicht mehr auf sein einst so brillantes Gehirn verlassen kann und dass ihn sein Gedächtnis trügt.

„Wissen Sie, für mich war er nie Watson.
Er war einfach nur John für mich.“

Zwar geht es auch in dieser Geschichte um einen lang zurückliegenden Fall –   um eine Frau, die Holmes immer noch beeindruckt (wenn es auch nicht DIE Frau ist), um eine Reise nach Japan, wo er einen Brieffreund trifft. Doch es geht um viel mehr als um einen Fall und um einen Klienten. Denn es ist die Geschichte eines alten Mannes, der auf sein Leben zurückblickt und versucht, mit sich und den Menschen seiner Umgebung ins Reine zu kommen. Natürlich ist John einer dieser Menschen. „You know, I never did call him Watson – he was John, simply John.“ („Wissen Sie, für mich war er nie Watson. Er war immer einfach nur John für mich.“), erklärt Holmes seinem japanischen Freund. John war für ihn nie der Trottel, für den ihn Dramatiker und Romanschreiber ausgegeben haben –  eine Tatsache, die Holmes als eine persönliche Beleidigung auffasst, weil er den Mann immer noch zutiefst respektiert, „the man who with his customary humour, patience, and loyalty, indulged the eccentries of a frequently disagreeable friend.“ („der mit seinem Humor, seiner Geduld und seiner Loyalität den exzentrischen und unausstehlichen Freund ertragen hat.“). Fans der BBC-Fernsehserie „Sherlock“ wird das an die Rede des Trauzeugen in der Folge „Das Zeichen der drei“ erinnern, mit der Benedict Cumberbatchs Sherlock seine Zuneigung zu Martin Freemans John Watson auf eine ähnliche, nicht minder rührende Art und Weise ausdrückt.
Mitch Cullins Werk hat mindestens genauso viel Liebe zum und Respekt vor dem Original wie die Macher der BBC –  Fans werden das zu schätzen wissen.

A Slight Trick of the Mind“ wird derzeit mit Ian McKellen als Sherlock Holmes verfilmt und wird voraussichtlich 2015 in die Kinos kommen –  wie unter anderen die britische Zeitung The Guardian auf ihrer Internetseite schreibt. Der britische Schauspieler bestätigte auf Twitter, dass er in die Haut des berühmten Detektivs schlüpfen wird: „Over 70 actors have previously played Sherlock Holmes. Now he’s 93 years olf and it’s my turn.” (“Mehr als 70 Schauspieler haben bis jetzt Sherlock Holmes verkörpert. Jetzt ist er 93 und jetzt bin ich dran.“). McKellens vielleicht bekannteste Rolle ist die den Zauberers Gandalf in der Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbbit“, dessen dritter Teil im Dezember 2014 in die Kinos kommen wird.

Mitch Cullin, „A Slight Trick of the Mind“, Anchor Books, 2005, ca. 10.90 Euro

 

Eine leicht geänderte und ergänzte Fassung dieses Blogeintrags ist in den Baker Street Chronicles der Deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft, Herbst 2014, erschienen.

You can find the English version here.

Lesetipps für den Sommer

Sommerzeit ist Ferienzeit und damit auch Lesezeit – wie wäre es mit einem von diesen Büchern?

Ian McEwan: Abbitte
Dieser Roman passt wunderbar zu heißen Tagen, die man unterm Sonnenschirm ver-lesen kann. Die Fantasien einer 13-Jährigen und deren Auswirkungen auf ihre Umgebung und sie selbst sind erschütternd und einfach guter, spannender Lesestoff. Wer mehr von dem britischen Autor lesen will, findet bei Diogenes eine große Auswahl seiner Werke.

 

Max Frisch: Montauk und Homo Faber
Mag sein, dass der ein oder andere mit Max Frisch in der Schule gequält worden ist. Ich liebe seinen Stil und seine Geschichten immer noch. Empfehlenswert sind sie alle, Montauk und Homo Faber sind zwar relativ kurz, aber nicht weniger lesenswert.

 

Edward St Aubyn: The Melrose Novels
Die Geschichte der Melrose-Familie ist so erbarmungslos wie komisch und trotz der insgesamt fünf Bände (Schöne Verhältnisse, Schlechte Neuigkeiten, Nette Aussichten, Muttermilch, Zu guter Letzt) alles andere als langweilig. Wer die Romane im englischen Original lesen möchte, sollte zu diesen Ausgaben greifen.

 

Mitch Cullin: A Slight Trick of the Mind
Eine wunderbare Hommage an Sherlock Holmes. Der Meisterdetektiv hat sich im Alter zurückgezogen, widmet sich mit Hingabe seinen Bienenstöcken und blickt auf sein Leben zurück. Meinen ausführlicheren Buchtipp (auf Englisch) gibt es hier. Leider habe ich keine deutsche Ausgabe gefunden. Vielleicht gibt es aber eine, wenn der Film mit Ian McKellen in die Kinos kommt.

 

Sir Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot
Alles, was Sherlock Holmes ausmacht, in einem Buch. Es gibt verschiedene Ausgaben auf Deutsch – eine gute ist die, die als Insel-Taschenbuch erhältlich ist.

 

Shaun Usher: Letter of Notes
Das ist nicht das Buch, das man mit ins Schwimmbad oder ins Urlaubgepäck stecken möchte. Dafür ist es zu groß und schwer. Und billig ist es auch nicht. Aber keine digitale Version kann den Reiz vermitteln, es greifbar zu haben, es gelegentlich durchzublättern und bei dem ein oder anderen Brief hängenzubleiben. Nicht, weil alle Schreiber so berühmt sind wie die englische Queen. Sondern, weil es faszinierend ist zu lesen, was Menschen über Jahrzehnte bewegt hat und – dank der Faksimiles – die Briefe zu sehen. (Mehr dazu hier)

 

Andrew Hodges: The Enigma

One of the things coming with being a fan of Benedict Cumberbatch is getting to know about books you’ve never heard of and you probably never would have read because they simply exist out of your horizon – or are simply not available in your country and language.

The German version and the original English one. Photo: pb

Andrew Hodges‘ „The Enigma“ is such a book that appeared in my life just because I learned back in 2013 that Benedict was about to play Alan Turing in the film „The Imitation Game“. Surprisingly enough I did know that Alan Turing was the man that helped breaking the German Code during the Second World War with the help of the Enigma machine – something I must have stumbled upon during school (thanks to my teachers and German curriculum).

„For him there had to be a reason for everything;
 it had to make sense – and to make one sense, not two.“

Because of the topic – oh God, it has something to do with maths which I’ll never understand in German how could I handle this in English?! – I tried and failed getting a German version of Hodges‘ book when I wanted it. So I gave an English kindle version a try just because it is cheaper and you know you do have a dictionary at hand when you are lost in language and maths. But I hardly needed it because Andrew Hodges did a very good job walking on the edge in between historical facts, technical explanations and bringing a man to life that was not only far ahead of his time when it comes to science or technology. He also was a man struggling to find his own way in a society that couldn’t cope with homosexuality as a normal form of living and loving but made it illegal forcing women and men to live their lives like criminals.

„Like any homosexual man, he (Alan) was living an imitation game, not in the sense of conscious play-acting, but by being accepted as a person that he was not“, Hodges writes. Being a highly intelligent man, Alan Turing didn’t care about his appearance but concentrated on his work and somehow on his own world in which the simple and clear rules of science were all that matter at least to him. But he also was very well aware of the fact that the society he lived in wouldn’t tolerate his sexuality: „He had wanted the commonest in nature; he liked ordinary things. But he found himself to be an ordinary English homosexual atheist mathematician. It would not be easy.“

Andrew Hodges‘ autobiography is full of historical facts, science stuff and biographical details that show that the author did a very proper and deep research. Far more it is a tribute to Alan Turing – full of love and admiration – who thought about computer and the way they might think and communicate with one another long before the word had it’s meaning and long before the word internet was even invented.  „Enigma“ is a historical document and a thrilling novel that is a joy to read.

Andrew Hodges: Alan Turing – The Enigma, Vintage Books
Deutsche Ausgabe: Springer-Verlag, Wien.

If part of this article sound weird this is due to the fact that I’m not a native speaker, so don’t be too harsh.
Feel free to share this blog entry but please quote and link properly.

Wiedersehen mit einem alten Freund

Ich bekenne: Max Frisch begleitet mich schon ziemlich lange, seit unserer ersten Begegnung im Grundkurs Deutsch. Mit ihm habe ich Abitur gemacht, studiert und alle akademisch-literarischen Verschwurbelung und tiefgründige Analysen haben nichts daran geändert, dass ich Max Frischs Werk immer noch liebe. (So ähnlich wie das von Siegfried Lenz, aber das ist eine andere Liebeserklärung.)

Das Journal ist bei Suhrkamp erschienen
und kostet 20 Euro. Foto: pb

Da kommt es mir gerade recht, dass seit Kurzem „Aus dem Berliner Journal“ greifbar ist. Ein wahrer Schatz aus dem Nachlass des großen Schweizer Autors, der selbst verfügt hat, dass das Journal erst 20 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden dürfe. Und so wurde im April 2011 – wie im Nachwort zu lesen ist – der Banksafe geöffnet, in denen sich die fünf Ringbücher befanden, die jetzt in Auszügen vorliegen und den Zeitraum von 1973 bis 1980 umfassen.

„Ich schreibe, 
um zu arbeiten.“

Schon nach den ersten Zeilen ist klar: es ist der unverwechselbare, geliebte Max Frisch, der hier gewohnt schnörkellos schreibt, voller Zweifel ist und ohne Illusionen: „Es gelingt mir fast nichts. Täglich sechs bis acht Stunden schreibend, ein hohes Vergnügen dabei. Meistens brauche ich es nicht einmal wiederzulesen, um zu wissen, dass alles unbrauchbar ist.“ Ein Selbstzweifel, der schon bei den früheren Tagebüchern deutlich wurde und der angesichts dieses Meisters der Sprache umso erschütternder ist und ehrlich und zeigt, dass der so wunderbare und perfekte Schriftsteller Max Frisch nur deshalb ein Könner ist, weil er selbstkritisch war.

Man muss nicht alle Hintergründe verstehen und jede geschichtliche Einzelheit parat haben, um das „Berliner Journal“ lesen zu können – zumal es mit einem ausführlichen Nachwort versehen ist. Aber man sollte Max Frisch lesen. Immer noch.