Sherlock – Hinter den Kulissen der Erfolgsserie

Kinogucker - Ein Filmblog

Buchtitel: Sherlock – Hinter den Kulissen der Erfolgsserie
Autor: Steve Tribe
Verlag:Knesebeck, 2015
Umfang: Gebunden, 320 Seiten
ISBN: 978-3-86873-858-2
Preis: 29.95  Euro

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Der Kinogucker muss gestehen, dass er manchmal seine berechtigte Abneigung gegen Fernsehen überwindet und sich gezielt Sendungen ansieht. Vor allem, wenn es sich um eine geniale Literaturverfilmung wie die BBC-Ausgabe von Sherlock handelt!
Und wenn er dazu ein äußerst gelungenes Begleitbuch zum Stöbern und gezielten Nachschlagen zur Verfügung hat…

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Sherlock Holmes für Anfänger

Sherlock Holmes ist vielleicht die am meisten bekannte literarische Figur. Das ist auch im deutschsprachigen Raum so und selbst Menschen, die noch nie eine der Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle gelesen haben, wissen etwas mit dem Namen des genialen Detektivs anzufangen. Logisch also, dass es scheinbar ganze Bibliotheken voller Literatur über Sherlock Holmes gibt, wenn auch nicht immer auf Deutsch.

Dass Maria Fleischhack mit „Die Welt des Sherlock Holmes“ eine Ausnahme macht, ist daher löblich  – wenn man auch sagen muss, dass dieses Buch nur etwas für Anfänger ist. Die werden zwar einen guten Überblick über alle Geschichten des sogenannten Canons, die Figuren und ihre Adaptionen bekommen. Das ist aber leider auch schon alles. Denn das Buch wirkt als sei es schnell heruntergeschrieben, zu oft wiederholen sich Inhalte in aufeinanderfolgenden Passagen und einmal scheint es, als habe sich das Schreibprogramm geweigert, Wörter ordentlich durch Leerzeichen zu trennen.

Mögen das noch Flüchtigkeitsfehler sein, so sind aber diese Hinweise schlichtweg mangelnder Recherche geschuldet: Christopher Lee spielt nicht in der 16-teiligen BBC-Serie „Arthur Conan Doyle’s Sherlock Holmes“ aus den 1960er Jahren. Sherlock Holmes wird darin von Douglas Wilmer und von Peter Cushing verkörpert.

„Sherlock“ ist die erfolgreichste Serie der BBC, wie der Sender in seinem Jahresbericht selbst schreibt „and licensed to 224 territories“. Selbst wenn man „territories“ nicht mit „Ländern“ übersetzen mag, so führt die Seite Sherlockoloy.com in einer Übersicht deutlich mehr Länder auf, als die genannten 16, in denen laut Fleischhack „Sherlock“ ausgestrahlt wird. Oder sind da nur die Länder gemeint, in denen „Sherlock“ synchronisiert wird?

Die Behauptung, die vierte Sherlock-Staffel werde 2015 gedreht, mag dem Veröffentlichungsdatum des Buchs im März 2015 geschuldet sein, schließlich wurde in diesem Jahr „nur“ ein Sherlock-Special gedreht und vermutlich zu Weihnachten auf BBC One ausgestrahlt; eine Bestätigung steht aus. Die vierte Staffel jedenfalls wird im Frühjahr 2016 gedreht, wie Steven Moffat bestätigte. Dass die dann zumindest in Großbritannien im gleichen Jahr ausgestrahlt werden wird, ist bisher reine Spekulation.

Fazit: „Die Welt des Sherlock Holmes“ bietet eine erste Übersicht für Sherlock-Holmes-Neulinge. Wer tiefer einsteigen will, sollte es mit dem Buch zur Sherlock-Holmes-Ausstellung im Museum of London „Sherlock Holmes – The Man who never lived and will never die“ versuchen.

Foto: Petra Breunig

Foto: Petra Breunig

 

Maria Fleischhack: Die Welt des Sherlock Holmes, Lambert Schneider, 24,95 Euro.

My dear Bessie

In times when everybody had a pen and pencil and using a computer or chatting online seemed unthinkable or only possible in the mind of some people living way ahead of their time or writing science fiction, letters were the only way to stay in touch with the people your care about. Letters which took days or weeks to reach their recipient, especially during the Second World War, when people struggled to find out if their relatives or loved ones were okay.

„I could hug you till you dropped!“
Chris to Bessie, 21 February 1944

The letters in „My dear Bessie“ compiled by Simon Garfield tell a love story no author could possible imagine in a more touching way that never gets kitschy. A love story which unfolds between Chris Barker and Bessie Moore only because Chris, who stationed at the Libyan coast, decided to write a letter to Bessie who worked at the Post office and attended the same training course as Chris. During the war, Bessie worked as a morse interpreter and despite the fact that she was dating another man (till the relationship ended), kept up the correspondence with Chris – a very platonic one.

„You are as precious to me as life itself, for it goes on and on.“
Bessie to Chris, 14 December 1944

Chris‘ letter from September 1943 changed not only their way of writing but in the end their whole lives. As time went by, they wrote more and more letters of which 500 survived. The book contains the most heartwarming ones as Simon Garfield writes in his introduction. Together with the afterword by Bernard Baker, their son, and Irena Barker, their granddaughter, the wonderful letters are understandable within their historical context and tell the whole story of this love of a lifetime.

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Simon Garfield: My dear Bessie, Canongate Books, about 7 £.

Chromecast und meine Apps

Eines der besten technischen Helferchen, die ich mir vor bald zwei Jahren gekauft habe, ist Googles Chromecast. Und vielleicht die am besten angelegten 35 Euro, zumindest in diesem Bereich. Während die Bedienung nach wie vor einfach ist und mir wahlweise mein Nexus 7oder mein Nexus 5 als Fernbedienung dient, haben sich ein paar Apps (alle für Android und von Google Play Store) als die für mich besten und am meisten genutzten herausgestellt.

Netflix: Die App funktioniert intuitiv und beamt Filme oder Serien zuverlässig zum Chromecast. Das war letztlich der Grund, weshalb ich Watchever gekündigt habe. Denn die Übertragung hatte immer wieder Hänger, das Bild baute sich nur teilweise auf oder stoppte ganz. Die Netflix-App bietet auch die Möglichkeit, während der Übertragung die Sprache des Films zu wechseln, Untertitel ein- oder auszuschalten.

MT Cast: Die App wurde mittlerweile zwar aus dem Google Play Store entfernt. Ich habe sie immer noch installiert und nutze sie auch gelegentlich, denn sie bietet die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender  ARD, ZDF, Arte und 3Sat zusammen und funktioniert sehr zuverlässig. Wer sie ausprobieren möchte, findet sie hier zum Herunterladen. Vorteil: mit ihr kann man beispielsweise auch die ARD auf den Chromecast streamen, was die eigene App des Ersten nicht bietet.

ZDF: Meiner Ansicht nach äußerst praktisch ist die App des ZDF (die auch ZDFinfo, ZDFkultur und ZDFneo umfasst)- spätestens seit sie den Chromecast unterstützt und seit das ZDF dazu übergegangen ist, Sendungen vor dem Ausstrahlungstermin schon in der Mediathek zur Verfügung zu stellen. Neben dem Inhalt der Mediathek kann man auch das Live-Programm selbst streamen. Sie ist eine meiner Lieblingsapps.

Filmon.com ist unter Fans ausländischer Fernsehsender eine beliebte und vielgenutzte Seite, auf der man neben allen Sendern der BBC und privaten Sendern aus Großbritannieren zahlreiche andere fremdsprachige Fernsehsender im Livestream empfangen kann. Zwar ist die Qualität immer unterschiedlich, dafür ist die SD-Variante kostenlos. Für die HD-Qualität muss man ein Abo abschließen. Ob der Stream dann tatsächlich besser ist, kann ich nicht beurteilen. Wer Erfahrungen hat, möge doch bitte entsprechend kommentieren. Die App ist zumindest momentan im Play Store nicht mehr auffindbar. Schade, denn meine ältere Version unterstützt den Chromecast sehr zuverlässig.

Local Cast: Diese App hat sich von Version zu Version verbessert und streamt – wie der Name schon sagt – neben Videos unter anderem auch Bilder  vom jeweiligen Gerät, sondern beispielsweise auch von Google Drive. Schönes Detail: Local Cast ist auch vom Lockscreen aus steuerbar – im Gegensatz zum kostenpflichtigen All Cast, der im Grunde die gleichen Funktionen hat, aber für mich weniger zuverlässig werkelt.

Lukas Hartmann: Auf beiden Seiten

Wenn Bücher zwischen verschiedenen Handlungssträngen und Jahren hin- und herpendeln, kann das schiefgehen, wenn es der Autor nicht schafft, die Fäden so zusammenzuführen, dass der Leser spätestens am Ende die Sinnhaftigkeit erkennt. Und nicht schon nach den ersten Seiten verwirrt aufgibt und das Buch zur Seite legt.

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Foto: Petra Breunig

 

 

In „Auf beiden Seiten“ verknüpft Lukas Hartmann die Jahre 2010, 1970 und die Zeit des Mauerfalls über das Leben des Schweizer Journalisten Mario miteinander und macht die Vergangenheit nicht nur wieder lebendig, sondern auch unmittelbar greifbar – anhand von Figuren, deren Schicksal dem Leser nicht gleichgültig ist, weil es meisterhaft erzählt wird.

Lukas Hartmann: Auf beiden Seiten, Diogenes, 21,99 Euro

What Alan Turing was looking for at Ebermannstadt

It is not a peculiarity of our times that the NSA – America’s National Security Agency – wants to know everything, even in the most distant places of our planet. And Ticom (Target Intelligence Commitee), NSA’s predecessor, wanted just the same.

In the Second World War the future of the free world also depended on their spy work and therefore it isn’t surprising at all that Ticom of course knew about the activities at Feuerstein Castle near Ebermannstadt, in the northern part of Bavaria, Germany. Activities which were peculiar and mysterious at the same time. NSA documents which cover that part of history are only known to the public since 2009. They prove the fact that the British mathematician Alan Turing was on his way to Ebermannstadt in the last months of WW II. According to that documents German physician Oskar Vierling worked within the castle. The building which never has been a castle, was masked as a hospital – including the sign of the Red Cross on its roof – but was in fact a laboratory run by the Wehrmacht and the German Foreign Office. Up to 250 people worked in Feuerstein Castle on encryption, radio links and on the improvement of the encryption machine SZ 42.  Vierling who in 1941 established  the company that today still bears his name, worked on signals that should control torpedoes and set mines on fire.

On April 16th 1945, some three weeks before Nazi Germany surrendered on May 8th, Ticom secret agents arrived at Feuerstein Castle. The American and British experts on news and communication technique were hitchhiking all the way through Germany till they arrived in Upper Franconia. The last part up to the castle itself, they walked. They hoped to find German encryption devices there, not because they hoped to use it for themselves. „It was much more important that these devices were not lost to the Russians,“ Rudolf Staritz, a tech expert on news, says.

„Turing wasn’t able to breach Vierling’s messages.“

Alan Turing came across Vierling much earlier. Turing who at that time was breaking German messages at Bletchley Park, the central site of the United Kingdom’s Government Code and Cypher School known for its efficiency and its brilliant minds. But the messages which went to and from Feuerstein Castle and the German town of Hannover on a regular bases, remained a mystery even to genius Turing. „Turing wasn’t able to breach Vierling’s messages. So he wanted to go to Feuerstein and find out what was going on there for himself,“ Staritz says. The NSA documents don’t reveal, however, how long Alan Turing stayed at Feuerstein Castle in the spring of 1945. That the brilliant codebreaker was actually there, experts consider as a fact. „There are lots of legends when it comes to Turing’s life. But we can take it for granted that he was in Ebermannstadt,“ Jochan Viehoff says. He is Head of Nixdorf Museum in the German town Paderborn.

It seems that after the war, in April 1945, Vierling soon attached himself to the new situation – according to Ticom report dated May 1st 1945: „When Vierling and some of his colleagues were found, they were very eager to talk about their work and agreed to help rebuilding the lab and the parts of the project, so they could go on with their work.“ The secret agents assumed that Vierling hoped to continue his work within his laboratory at Feuerstein Castle after the end of Nazi regime. But the cooperation terminated when allies‘ superiors on August 16th 1945 ordered Vierling’s arrest. The agents removed all interiors and research results from Feuerstein. Staritz doesn’t believe they used it for their own research. „The Americans technically were much superior compared to the Germans.“

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The German version of this article was originally published in Fränkischer Tag on January 22nd 2015.
The author, Christoph Hägele, kindly granted the permission to translate it.

Das Leben der Rebecca Jones

Es ist eine bäuerliche, kleine und überschaubare Welt, in die Rebecca Jones hineingeboren wird. Anfang des vergangenen Jahrhunderts scheint das Leben im Maesglasau-Tal in Wales so, wie es schon immer war, seit ihre Familie vor über tausend Jahres begonnen hat, hier Land zu bewirtschaften. Drei Brüder – William und Gruff werden blind geboren, Lewis erblindet als Kind – verlassen wegen ihrer Behinderung das Tal und erhalten wegen oder trotz ihrer Blindheit eine Ausbildung, werden Akademiker, ihre Reise fort aus Wales „führte von der walisischen Sprache und Kultur in eine andere Sprache und Kultur, sie führte fort aus Wales in ein anderes Land“, England nämlich. Rebecca und ihr Bruder Bob bleiben, weil den Eltern das Geld fehlt, im Dorf. Bob wird Bauer wider Willen, Rebecca Näherin, eine Tätigkeit, die sie befriedigt und die ihr eine gewisse Unabhängigkeit sichert.

RebeccaJones

Das Buchcover Foto: Petra Breunig

 

Angharad Price erschafft in „Das Leben der Rebecca Jones“ eine Welt, die es nicht mehr gibt. Ihre wunderbare Sprache macht diese Welt aber unvergesslich, genauso wie das Buch. Die vorliegende Ausgabe übersetzte Gregor Runge aus der englischen Fassung, die wiederum von Angharad Price selbst geschrieben wurde. Das einzige, was ich – außer dem Ende der Erzählung – bedauernswert finde, ist dass ich das walisische Original mangels Sprachkenntnis nicht lesen kann.

 

Angharad Price: Das Leben der Rebecca Jones, dtv, 15,99 Euro

John Williams: Butcher’s Crossing

Es gibt Bücher, auf die man sich einlassen muss, die Zeit brauchen. „Butcher’s Crossing“ ist so ein Buch, denn es beginnt mit einer eher banalen Begebenheit. Mit einer Kutsche. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Buch nach den ersten Zeilen erst einmal weggelegt und einige Zeit nicht beachtet habe.

Der zweite Versuch war erfolgreicher. Denn die Geschichte von Will Andrews, der um 1870 beschließt, sein bisheriges Leben, das ihm eine glänzende Karriere verspricht, hinter sich zu lassen, ist spannend und seltsam modern. Er will raus aus der Zivilisation, will die Natur und den Wilden Westen entdecken und hofft so, seine Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer zu stillen. Per Kutsche macht er sich vom Osten Amerikas auf in Richtung Westen und landet in Butcher’s Crossing, einem Kaff im Nirgendwo, das für Fallensteller und Trapper der Ausgangsort ist für ihre weitere Reise. Andrews investiert sein Erspartes und schafft es, mit einer Gruppe von Männern loszuziehen. Ziel ist ein abgelegener Ort, an dem es noch große Büffelherden geben soll – perfekt, um möglichst viele Häute zu erbeuten und Geld zu verdienen.

„Butcher’s Crossing“, das jetzt in deutscher Erstausgabe vorliegt, ist kein reißerisches Buch, das auf billige Effekte setzt. John Williams beweist hier wie schon mit „Stoner“, dass er ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist. Er schafft mit leisen Tönen faszinierende Welten, die den Leser fesseln und an die man sich am Ende des Buches noch lange erinnern wird.

Fazit: Unbedingte Leseempfehlung!

 

Foto: Petra Breunig

Das Buchcover von „Butcher’s Crossing. Foto: Petra Breunig

John Williams Butcher’s Crossing, dtv, 21,90 Euro

Themenfremd und doch nicht: Je sui Charlie

Die kaltblütige Ermordung der Journalisten der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ lässt mich sprachlos und irgendwie ungläubig zurück.

Immer noch.

Denn der Anschlag ist ein Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit, die keinen Unterschied macht zwischen großen überregionalen Zeitungen, Online-Portalen und Blogs wie diesen. Und auch wenn ich hier über sogenannte weiche Themen schreibe, so geben meine Blogeinträge doch auch immer eine Meinung wieder.

Meine.

Deshalb bin auch ich Charlie. I am Charlie. Je suis Charlie.

Und ich bin Raif.

Foto: @prixpics/Twitter

Foto: @prixpics/Twitter